»Zurück ins Leben finden«

Zur besseren Veranschaulichung meiner Tätigkeiten während einer Trauerbegleitung empfehle ich Ihnen ein Interview, welches im Februar 2016 geführt wurde:

Warum brauchen Menschen eine Trauerbegleitung?
Barbara Djaja: Um festzustellen, dass man normal ist. Trauernde glauben, sie wären nicht mehr normal - sie wären auch nicht mehr in der Welt. Meine Aufgabe ist es, zu zeigen, dass die oder der Trauernde völlig normal ist. Trauer ist ein Gefühl, das zum Leben dazu gehört. Wir müssen nicht denken: „Mit mir stimmt was nicht.“ Denn jegliches Gefühl in jeglicher Intensität ist normale Trauer.

Einzelbegleitung und / oder Trauergruppe - wie weiß ich, welche Form der Begleitung für mich die beste ist?
Es gibt immer erst ein Einzelgespräch. Dann erst die Trauergruppe. Das ist aber kein Muss - Trauernde können sich auch nur für eine Trauerbegleitung im Einzelgespräch entscheiden.

Die Trauergruppe wird maximal von acht Personen besucht. In der Regel kommen die Trauernden für ein Jahr zum Einzelgespräch.

Ist Trauer am Arbeitsplatz ein Problem?
Klar. Trauer stört das Arbeitsklima. Der Chef weiß von nichts, der Trauernde / die Trauernde ist nicht leistungsfähig - dadurch entstehen weitere, unnötige Probleme.

Als Trauerbegleiterin versuche ich zu erreichen, dass der Arbeitgeber so viel Rücksicht nimmt, wie möglich. Manchmal wird sogar die Trauerbegleitung vom Unternehmen bezahlt. Mein Ziel ist einfach, dass die Trauernden von den Mitarbeitern und der Geschäftsführung maximale Unterstützung erfahren.

Meine Erfahrungen zeigen, dass ich durch Vorträge und Fortbildungen in Unternehmen bereits vorab Mitarbeiter und Geschäftsführung sensibilisieren konnte.

Wie sind sie zur Trauerbegleitung gekommen?
Parallel zu meiner Arbeit in einem Unternehmen habe ich 2006 begonnen, mich erhrenamtlich in der Sterbebegleitung zu engagieren. Später habe ich dann das Angebot erhalten, in der Verwaltung eines Hospizes zu arbeiten. Als ich dann gemerkt habe, dass ich mir die Arbeit nicht nur zutraue, sondern auch das Feedback der Leute sehr positiv war, wusste ich, dass ich das kann.

Wie ist das Feedback der Trauernden nach einer Begleitung?
„Ich habe zurück ins Leben gefunden...“ ist zum Beispiel eine Aussage. Oder „ich bin wieder in der Lage, die Welt wahrzunehmen“. "Ich kann mit dem Verstobenen weiterleben, ohne dass es mich am Leben hindert."

Wer kontaktiert sie?
Im Idealfall die Trauernden selbst. Häufig aber auch Hausärzte, Bestatter. Viele Menschen erfahren durch Empfehlungen von meiner Arbeit.

Gibt es heute immer weniger Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich über Trauer sprechen kann?  
Ja! Das Gemeinschafts- und Familiensystem von früher gibt es durch die Individualisierung der Menschen leider heute so nicht mehr. Das fange ich mit meinem Angebot der Trauerbegleitung auf.

In welcher Region bieten sie die Trauerbegleitung an?  
Die meisten Trauernden leben in Essen und westlichen Ruhrgebiet. Offen ist mein Angebot aber für jeden - denn Hausbesuche biete ich nicht an. Es ist wichtig, dass die Trauernden sich auf den Weg machen.

Wenn ich mit für eine Begleitung entschieden habe - wie läuft der Start einer Trauerbegleitung ab?
Ich vereinbare erst einmal ein Erstgespräch mit den Betroffenen. Bei einer Einzelbegleitung dauert ein Gespräch in der Regel eine Stunde - für Berufstätige biete ich übrigens eine Trauerbegleitung auch abends an.

Die gesamte Trauerbegleitung hängt natürlich vom Trauernden und den individuellen Bedüfnissen ab. Natürlich habe ich Grundsäulen der Gesprächsführung, an denen ich mich orientiere. Priorität hat am Anfang der Trauerfall. Später spielt der / die Verstorbene die größte Rolle in den Gesprächen. Ganz wichtig ist jedoch, dass dann die Trauernden über sich selbst und die eigenen Wünsche im Leben wieder sprechen.

 

 

Das Interview führte der freie Journalist Stefan Cofala (Bochum)